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Hallo Reader! Ich komme gerade von einem zweitägigen Workshop zurück. „Vom Bild zum Quilt“ mit Carmen Bickle. Neben dem angefangenen Quilt beschäftigt mich diese Frage: Habe ich diesen Quilt eigentlich selbst entworfen? Denn der Entwurf ist mit KI entstanden. Ich habe ChatGPT zunächst gebeten, mir ein unregelmäßiges Hexagonmuster mit einem Farbverlauf zu erstellen. Das Ergebnis war ganz hübsch, aber irgendwie auch nichtssagend. Also ging es weiter, z. B. mit anderen Farben und anderem Bildformat: Aus Frust probierte ich das Ganze dann mit Gemini. Dabei kam das heraus: Das Bild gefiel mir nicht, aber es inspirierte mich (wieder von Chatty), das Gegenteil zu verlangen. Innen große unregelmäßige Hexagone und außen kleinere. Abgesehen davon, dass beide KIs anscheinend nicht in der Lage sind, durchgehend Hexagone zu generieren, gefiel mir der Entwurf sehr gut: Genau diesen Entwurf werde ich jetzt umsetzen. Und seitdem lässt mich eine Frage nicht mehr los: Wie viel künstlerischer Anteil von mir steckt eigentlich darin? Ist es die KI, die den Entwurf gemacht hat oder bin ich es? Ohne meinen ersten Gedanken hätte es diesen Entwurf nicht gegeben. Ohne mein „Das ist langweilig“ auch nicht. Ohne mein „Nein, so gefällt mir das nicht“. Ohne die Entscheidung, einen Vorschlag umzudrehen. Ohne meinen Geschmack, meine Erfahrung mit Stoff und EPP und meine Vorstellung davon, welche Wirkung ich erreichen möchte. Vielleicht kann man es so beschreiben, dass ich Creative Director in diesem Prozess war und die Arbeit von ChatGPT ausgeführt wurde. Die KI kann mir innerhalb von Sekunden unzählige Ideen und Möglichkeiten geben. Aber sie hat keinen eigenen Geschmack. Wenn plötzlich jeder unendlich viele Bilder, Texte, Muster und Ideen erzeugen kann, ist die Fähigkeit, etwas zu produzieren, nicht mehr unbedingt das Seltene. Selten wird etwas anderes: Geschmack. Zu erkennen, was interessant ist und was beliebig. Zu wissen, wann etwas fertig ist und wann noch etwas fehlt. Nein zu sagen. Etwas zu verwerfen. Zwei Ideen miteinander zu verbinden. Und manchmal einen Vorschlag komplett umzudrehen. Vielleicht steckt ein großer Teil von Kreativität gar nicht darin, jede einzelne Idee selbst hervorzubringen. Vielleicht steckt sie darin, Entscheidungen zu treffen. Und dennoch... Was wäre, wenn ich ChatGPT einfach geschrieben hätte: „Entwirf mir einen außergewöhnlichen modernen EPP-Quilt.“ Die KI hätte mir ein Bild ausgespuckt, ich hätte gesagt: „Wow, perfekt!“, und es anschließend eins zu eins nachgenäht. Wäre es dann mein Entwurf? Und dann kommt die nächste Ebene hinzu. Das von der KI generierte Bild ist noch lange kein Quilt. Und zur Zeit kann die KI auch noch keine zuverlässige Nähanleitung und Schnittmuster dazu erstellen. Sie kann noch nicht mal alle Hexagone einmal durchnummerieren. Ich musste das von Hand machen, weil sie sich ab der 29 immer wieder verzählt hat. Die Umsetzung bleibt bei mir. Und was, wenn ich keinem erzählte, dass der Entwurf zu 100% von KI kommt? Und ich gewänne bei einem Quiltwettbewerb? Wann beginnt es Kunst zu sein? Ich habe keine Antwort darauf. Finde es aber sehr spannend, mir diese Fragen zu stellen. Wenn du den aktuellen Stand des Projekts sehen und mitdiskutieren möchtest, dann geh zu diesem Reel und kommentiere deine Gedanken. Herzliche Grüße, Elke |
Jeden Sonntag ein Impuls für deine Kreativität.